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11.04.2024

Die Brennnessel

Die große Brennessel

Deutscher Name: große Brennessel
Lateinischer Name: Urtica dioica

Einst sagte Plinius, ein römischer Gelehrter, der für sein Werk “Naturalis historia”, ein Werk über die Natur, noch heute bekannt ist, über die Brennesssel, dass sie die am meisten verhasste aller Pflanzen sei. Wahrscheinlich hatte er sehr schmerzhafte Erfahrungen mit ihr gemacht. Auch heute kennt jeder die Brennessel. So unscheinbar sie auch aussieht und so schmerzhaft sie auch sein kann – so hat sie doch viele positiven Eigenschaften. Die Brennessel gehört zu den wichtigsten Pflanzen und hat schon seit Urzeiten einen festen Platz in unser Kultur als Heil- und Nutzpflanze.

Wer sich mit der Brennessel auseinandersetzt, wird auf viele Sagen und Märchen stoßen. Meist musste eine Frau aus der Brennessel Kleidung herstellen, um einen Zauber aufzuheben oder als Bedingung jemanden heiraten zu dürfen. Auch im Brauchtum und in der Mythologie ist sie weit verbreitet. In der Steinzeit hat man die Brennessel der großen Göttin geweiht. Zu dieser Zeit nutze man die Brennessel als Faserpflanze und stellte Kleidung mit ihr her. Die große Göttin war zuständig für das Spinnen und Weben, also auch für die “Frauenarbeit”. So wie man es heute auch noch der Frau Holle zuordnet.  Später bei den Germanen, war sie die Donnernessel und wurde Thor bzw. dem Donnergott Donar zugeordnet. Bei den Römern wurde sie dem Kriegsgott Mars zugeteilt. Bei allen männlichen Göttern waren es vor allem ihre brennenden und hitzigen Eigenschaften, weswegen sie ihnen geweiht wurde. Auch bei Potenz- und Fruchtbarkeitsproblemen, so glaubten die Menschen, helfe sie durch ihre feurigen Eigenschaften. Sie galt als Aphrodisiakum und sollte Lust auf Sex machen, das war auch schon den Menschen in der Antike bekannt. Deswegen war es den Mönchen und Nonnen verboten Brennesselsamen zu probieren.

Bei allen großen Menschen die sich mit der Natur und ihrer Heilkraft auseinander setzten wie Paracelsus, Hildegard von Bingen, Plinius, Hippokrates (und viele mehr) kam immer die Brennessel zur Anwendung als Medizin und Nahrung. Vor allem wenn es um Harnprobleme ging.

Früher glaubte man auch, dass die Brennessel Unheil abwehren würde. Gerade zur Sonnenwendnacht, wenn sich besonders viele böse Mächte herumtrieben, dann wurde sie von den Menschen zur Hausreinigung verräuchert. Man hängte sie aber auch zum Schutz in Haus und Stall auf. Auch waren Orte, wo viele Brennesseln wuchsen, für unsere Vorfahren besonders. So wie es den Spruch “den Löffel abgeben” gab, kannte man auch den Spruch “jemand ist in die Nesseln gegangen”. Was bei beiden bedeutete, dass die Person verstorben war. Anders bei den Sinti und Roma, dort dachte man, dass in den Nesseln die Eingänge zu den Erdgeistern waren. Allgemein dachte man,  dass die Nesselhaare für einen wehrhaften Pflanzengeist stehen.

Früher wurden auch Krankheiten an Pflanzen angehängt oder übertragen. Meist ist dafür der Holunder bekannt, aber auch die Brennessel wurde dafür verwendet. Gerade bei Fiebererkrankungen sollte man an drei aufeinanderfolgenden Tagen vor Sonnenaufgang zur Brennessel gehen und sie bitten, das Fieber zu nehmen.

Auch bei Liebeszaubern wurde die Brennessel verwendet. Man glaubte, man könnte dem Geliebten eine brennende Liebe für sich anzaubern. Natürlich muss man dazu nicht sagen, welche Konsequenzen es hätte, so etwas zu tun. Aber auch in einigen Büchern sind Liebeszauber mit der Brennessel überliefert.

In der heutigen Magie gilt sie immer noch als schutzbringende Pflanze. Ob nun im Beutelchen oder Talisman zum Schutz mit sich herumtragen oder ins Feuer zu werfen, um Gefahren abzuwehren. In Mexiko verwendet man die Brennsessel als Zusatz in Reinigungsbädern.

Kommen wir mal zu den botanischen Merkmalen der Brennessel. Sie hat einen vierkantigen Stängel, der mit Borsten und Brennhaaren versehen ist. Die Blätter sind grün, länglich, herzförmig, grob gezähnt und ebenfalls behaart. Die Blüten sind klein und unscheinbar. Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober. Die Samen sind hellbraune bis grünbraune eiförmige Nüsschen. Die große Brennessel wird bis zu 1,5m hoch und wächst gerne in stickstoffhaltigen Böden. Sie zeigt also auch die Bodenqualität des Standortes an.

Für die medizinische Verwendung der Brennessel sammelt man die Blätter und das Kraut von Juni bis Juli. Die Wurzel gräbt man entweder im Frühjahr oder im Herbst aus.
Für den kulinarischen Genuss kann man schon die jüngsten Brennesselblätter verwenden.
Die Brennesselsamen werden von Mitte August bis Oktober gesammelt, wobei sie auch eher in der Ernährung ihr zu Hause haben.

Die Brennessel wird in der Medizin für rheumatische Beschwerden, zur Gewebsentwässerung, bei Harnwegsinfekten, bei der Reizblase, Prostataproblemen, aber auch bei neuralgischen Beschwerden und den Hitzewallungen in den Wechseljahren verwendet. Sie wirkt auch Leber schützend und blutdrucksenkend und vieles mehr. Bitte bei dem Verzehr oder beim Trinken darauf achten, dass die Brennessel sehr harntreibend ist, deshalb genug trinken. Bevor man sich entscheidet die Brennessel zu sich zu nehmen, bitte auch lesen, wann man sie nicht einnehmen darf. Das sollte aber auch bei jeder Pflanze immer mit bedacht werden.

Die Brennessel ist auch heute noch eine Zutat in der Neunkräutersuppe. Die wird ja traditionell am Gründonnerstag, also dem Tag vor Karfreitag, gekocht. Wie wäre es zu Ostara mit einer Neunkräutersuppe? Man verwendet dafür neun wilde Kräuter die jetzt schon wachsen z. B. Bärlauch, Spitzwegerich, Brennessel, Vogelmiere, Giersch, Gundermann, Löwenzahn,  Bibernelle. Man dünstet ca. 500g Kräuter in Butter und gibt dann ca. 1L Gemüse Brühe hinzu, schmeckt alles mit Salz, Pfeffer und evtl. seinen Lieblingsküchenkräutern ab. Es köchelt dann ca. 15 min.. Wer möchte kann es noch mit Sahne verfeinern oder pürieren. Nach Geschmack evtl. Kartoffeln oder Reis dazu. Dann servieren. Guten Appetit

Quellen:

Nikki
Heilpflanzenpraxis Heute -Arzneipflanzenporträts, Siegfried Bäumler
Alles über Heilpflanzen, Ursel Bühring
Enzyklopädie der magischen Kräuter, Scott Cunningham
Kraft und Magie der Heilpfllanzen, Rudi Beiser

Nikki - 14:53 @ Pflanzen | Kommentar hinzufügen


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